Blogparade,  Führen in Teilzeit,  New Work

Lasst uns Teilzeit-Geschichte(n) schreiben!

Unter diesem Aufruf lief die #Blogparade #Teilzeit im Sommer 2020. Zusammengekommen sind 19 inspirierende Beiträge von 18 Autor:innen – jede Geschichte ist individuell und besonders. Denn Teilzeit hat viele Gesichter, Perspektiven, Facetten und Motive. Und bietet so unglaublich viel Potential gemeinsam zu diskutieren, wie wir zukünftig leben und arbeiten wollen und welche Vorteile flexible Modelle auch für Arbeitgeber und unsere Gesellschaft bieten.

Ein kunterbuntes Teilzeit-Geschichten-Netz

Durch die vielseitigen Beiträge war eine Kategorisierung zur leserfreundlichen Präsentation der Ergebnisse und als Basis für die Zusammenfassung eine kleine Herausforderung. Hier mein Ansatz:
Image by Bruno /Germany from Pixabay
  • Teilzeit im New Work Kontext
  • Vereinbarkeit von Job und Beruf mit persönlichen Bedürfnissen, Lebensumständen und Interessen etc. – dank Teilzeit
  • Zeit vs. Geld – der große „Haken“ von Teilzeitmodellen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet
  • Arbeitgeber Vorteile, denn in Teilzeitmodellen steckt viel Potential für das eine oder andere Unternehmensziel
  • Über das Wie – so kann’s klappen in und mit der Teilzeit

Grundlage für die Wahl der Kategorien waren die Inhalte der eingegangenen Beiträge – der gemeinsame Nenner. Jeder Beitrag kann zu mehreren Kategorien, unter anderem auch mit völlig unterschiedlichen Sichtweisen dazu, passen. Zugeordnet entsteht so ein kunterbuntes Teilzeit-Geschichten-Netz! Und dabei wird auch nochmal deutlich, wie unterschiedlich der persönliche Fokus und Blickwinkel auf das Thema Teilzeit und das eigene Lebens- und Arbeitsmodell ist.

In meiner Zusammenfassung gehe ich auf die jeweiligen Kategorien im Detail ein, verzichte aber bewusst auf das Nennen einzelner Beiträge. Diese stehen für sich und können hier nachgelesen werden. Angeboten werden sie dort:

  • zugeordnet zu den Kategorien und
  • mit kurzer Zusammenfassung und Zitat in chronologischer Reihenfolge nach Eingang.

New Work

Ich wage es mal ganz provokativ mit einem Vorurteil, das ich auch persönlich schon mehrfach erlebt habe, einzusteigen: Teilzeit ist in vielen Köpfen – nach wie vor – vor allem mit „arbeitenden Müttern“ und / oder „halbtags arbeiten“ verknüpft.
Doch wenn wir genau hinschauen, begegnet uns Teilzeit oder Arbeitszeitreduktion in aktuellen Debatten über die 4-Tage-Woche oder auch im New Work Kontext, wo Arbeit nicht nur als reine Erwerbsarbeit definiert wird. Wo unser Leben gesamtheitlicher betrachtet wird. Hier kommt auch die spannende Diskussion hinzu, ob Leistung überhaupt noch sinnvoll in Stunden gemessen und bezahlt werden kann – ist das noch zeitgemäß? Passt das zu dem, wie wir arbeiten? Was haben Stunden mit Produktivität zu tun? Und gehen wir noch einen Schritt weiter und packen ortunabhängiges, virtuelles Arbeiten dazu – sei es in Zeiten von Corona oder generell. Es gibt von Vielen den Wunsch selbstbestimmter, freier und von verschiedenen Orten aus arbeiten zu können.
Herauskommt: Neue Arbeit – ein Blick aus dieser Perspektive auf das Thema Teilzeit lohnt sich!
Vereinbarkeit

Jeder Mensch hat persönliche Bedürfnisse, individuelle Lebensumstände oder möchte ein bestimmtes Modell leben, hat Interessen und Wünsche ans Leben – die sich möglicherweise auch über die Jahre verändern. Und nicht immer passen diese zum oder neben den klassischen Vollzeitjob.

Sei es mehr Zeit mit der oder für die Familie, die Definition der eigenen Vater- oder Mutterrolle oder Zeit für Care Arbeit, mehr gemeinsame Aktivitäten mit dem Partner oder den Enkeln. Oder sei es ein Pferd, der Garten oder das Bedürfnis einfach auch mal aus dem Fenster zu schauen und nachzudenken… Das Unterbringen wichtiger Termine z.B. rund um das Leben mit einer Autoimmunerkrankung. Oder Weiterentwicklung in Form eines Studiums, eines Lerntags, mehr Raum zum Austausch und Netzwerken – was bei der Arbeit vielleicht nicht immer Raum hat. Oder Neuorientierung, Selbstfindung, Zeit für mehr Achtsamkeit. Bis hin zum Aufbau einer Selbstständigkeit, dem eigenen Startup oder Zweitjob. Das Leben bietet grenzenlos Möglichkeiten…

Vereinbarkeit schafft Ausgleich, Zufriedenheit, Balance und bietet – dank Teilzeit – die Chance Bedürfnisse, Anforderungen und Wünsche mit dem Job und Beruf unter einen Hut zu bringen. Dabei können die buntesten Kombinationen entstehen – lest unbedingt mal rein und lasst euch inspirieren, wie die Autor:innen ihre Vorstellungen vom Leben und Arbeiten in die Realität umsetzen.

Zeit vs. Geld

Geld ist vermutlich der größte Teilzeit-Haken! Denn Teilzeit bedeutet in der Regel auch Teilgehalt, solange Arbeit in Zeit gemessen und bezahlt wird. Vielleicht auch der Part, den die Wenigsten an diesem Modell verstehen können. In einigen Beiträgen wird von Fragen berichtet, wie man sich das denn leisten könne oder von Aussagen, dass so kein Hausbau oder Luxus drin wäre. Grundsätzlich eine berechtigte Frage und Geld ist immer ein heißes Thema. 

Um so spannender sind die Perspektiven aus den Beiträgen dazu. Da stehen sich klare Aussagen gegenüber: „Lieber mehr Zeit als mehr Geld“ vs. „Zeit ist Geld!“. Es wird die Frage aufgeworfen, wieviel Geld man eigentlich braucht, aber auch, was man sich eigentlich leisten kann. Für den Einen ist das feste Gehalt aus einer Anstellung die Basis die restlichen (Lebens-)Träume zu erfüllen, für die Andere eine Chance über Incentives in Form von Zeit als neues Geld, nachzudenken. Doch was bedeutet denn eigentlich Arbeitszeit? Und wäre ein Arbeitsgehalt vielleicht auch eine Lösung? 

Zu empfehlende Impulse mal über Zeit und Geld nachzudenken und bei Anderen quer zu lesen, welchen Weg, welche Antwort sie für sich gefunden haben.

Arbeitgeber Vorteile

Wie oft höre und lese ich, dass Teilzeit nicht überall gerne gesehen ist bzw. wie selten sehe ich, dass sie beworben und angeboten wird – hier ein Hoch auf die Arbeitgeber, die das fördern und die Vorgesetzten, die das unterstützen. Bei der Blogparade werden in diesem Zusammenhang einige positive Beispiele genannt. Doch Teilzeit passt eben auf den ersten Blick nicht (direkt) zum klassischen Karrierebild, in dem Überstunden und Präsenz für eine Fach- oder Führungskraft zum Alltag gehören…

Doch Teilzeit bietet auch zahlreiche Vorteile für Arbeitgeber, zahlt auf vielfältige Unternehmensziele ein: Wie die mittel- und langfristige Mitarbeitergewinnung bzw. Mitarbeiterbindung, was allerdings als Wort immer wieder heiß disktutiert wird. Was könnte die Wechselmotivation sein, wenn Mitarbeiter:innen zufrieden sind, ihre Arbeit und Bedürfnisse im Einklang leben können? Dies könnte auch die Antwort auf die steigende Unattraktivität von Führungspositionen oder den Fachkräftemangel sein. So hätten möglicherweise mehr Menschen die Chance zu anderen bzw. ihren persönlichen Rahmenbedingungen ihre Talente und Stärken auf dem Arbeitsmarkt anzubieten. Das, oder auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, fördert Diversity und Gender Equaliy im Unternehmen und in den Teams – heute doch wichtiger denn je? Hinzukommen die neuen Impulse und Ideen, die Netzwerke oder Erfahrungen aus der Selbstständigkeit oder dem eigenen Startup, die Mitarbeiter:innen mit ins Unternehmen bringen – wenn sie all das in ihre Jobs und Rollen einfließen lassen, unbezahlbar!

Diese – aus den Beiträgen zusammengetragenen – Vorteile von Teilzeit für Arbeitgeber liegen mir persönlich besonders am Herzen, denn sie sind der Schlüssel zur gemeinsamen Diskussion, warum wir Arbeit, Arbeitszeit, Arbeitsmodelle und am Ende auch Gehalt neu denken sollten. Hier liegt nicht nur für Mitarbeiter:innen, sondern auch für Arbeitgeber unglaublich viel Potential. Daher meine Bitte: Lest euch durch die Beiträge und überlegt, wie dieser Win-Win (noch) mehr genutzt werden könnte – auch im Rahmen und als Teil der New Work Diskussion.

Über das Wie

Teilzeit funktioniert – das erzählt nicht zuletzt diese Blogparade anhand konkreter Beispiele. Doch die Frage ist: Ist Teilzeit was für Jede:n, für die breite Masse? Ein Modell für die Zukunft? Und wie könnte das umgesetzt werden?

Eine Idee dafür ist Jobsharing oder Topsharing – was in zahlreichen Beiträgen als passendes Modell genannt wird. Zudem und gerade selbstorganisiert ist Teilzeit im Team, auch von mehreren Kolleginn:en, machbar – Beispiele aus der Praxis werden ebenfalls beschrieben. Wichtig sind die Rahmenbedingungen und möglicherweise auch das Digital Office. Weiterhin zeigt die Blogparade, dass Teilzeit auch in der Selbstständigkeit klappt bzw. gerade Selbstständigkeit dafür Freiheit und Gestaltungsräume bietet.

Praktisch ist übrigens auch die Checkliste für Vorab-Fragen, falls Du Dir (gerade) die Teilzeit-Frage stellst.

Hoffentlich ist das erst der Anfang. Der Anfang, die Umsetzungsmöglichkeiten von Teilzeit und flexiblen Modellen neu zu denken – interessant zu lesen, was bereits möglich ist und erfolgreich gelebt wird.

Persönliches Fazit

Mir hat die Blogparade noch einmal bestätigt, dass wir heute nicht mehr nur von Arbeitsmodellen, sondern von Lebens- und Arbeitsmodellen sprechen sollten – die Bereiche sind einfach nicht voneinander trennbar. 

Teilzeit bietet die Möglichkeit vielfältige Bedürfnisse und Wünsche mit dem Job zu vereinbaren, um so möglicherweise zufriedener, selbstbestimmter und gesünder leben zu können. Zudem kann dabei mehr Diversität und frischer Wind in die Büros getragen werden und vielleicht bliebe so auch Zeit sich noch gesellschaftlich (weiter | mehr) zu engagieren. Spannend bleibt die Gehaltsfrage – doch womöglich gibt es auch dafür eine Lösung in der Welt des neuen Lebens und Arbeitens, Stichwort New Pay.

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Ich wünsche mir, dass die gelebten Teilzeit-Geschichten, die bei dieser Blogparade erzählt wurden sowie die Vorteile, die für alle Beteiligten aufgezeigt wurden, die Diskussion (neu) aufbringt oder anfacht: Wie wollen wir zukünftig leben und arbeiten? Was ist für Dich neben dem „Brötchen verdienen“ noch wichtig? Könnte Teilzeit eine Option sein, auch Dein Leben oder Dein Unternehmen zu bereichern? Wie würdest Du – bezogen auf die Zeit – arbeiten, wenn Du frei wählen dürfest?

Zum Abschluss möchte ich ganz herzlich Danke sagen! Vielen Dank, liebe Autor:innen, dass ihr eure Geschichten geteilt, Teilzeit sichtbar(er) gemacht und Einblicke in eure Perspektive gegeben habt. Toll, dass ihr dabei wart und so diese Vielfalt, dieses kunterbunte Teilzeit-Geschichten-Netz gezaubert habt:

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